Das Web 4.0 (gesprochen: Web Vier Null | Lautschrift: ˈvɛp ˈfiːɐ̯ ˈnʊl) ist ein Überbegriff, unter dem in Wirtschaft, Forschung und IT-Publizistik aktuelle und erwartete zukünftige technologische, soziale, strukturelle und wirtschaftliche Aspekte des World Wide Web (WWW) und seines Einsatzes zusammengefasst werden. Web 4.0 steht damit für eine mögliche nächste Stufe der Entwicklung des Webs und dient vor allem als Modell und Prognose für die Zukunft des Internets und seiner Anwendungen. Eine einheitliche, verbindliche Definition existiert nicht.
Um zu verstehen, was allgemein unter dem Sammelbegriff Web 4.0 gemeint ist, lohnt ein Blick in die Studienlage. Verbreitete Assoziationen mit Web 4.0 sind gemäß einer Studie aus dem Jahr 20171:
- Symbiotisches Web (Symbiotic Web)
- Web der Dinge (Web of Things)
- Webgestützte Verarbeitung sozialer Daten (Web Social Computing)
- Umfassendes Erschließen aller Lebensbereiche für das Web (Pervasive Web)
- Omnipräsentes Computing (Ubiquitous Computing)
Künstliche Intelligenz (kurz: KI) beziehungsweise Artificial Intelligence (kurz: AI) ermöglicht die Entwicklung sozialer Maschinen auf Basis des Vorläufers, des semantischen Web 3.0 2. Gemeint sind Systeme, in denen menschliche Beteiligung, strukturierte Informationen und maschinelle Verarbeitung miteinander verbunden werden.
Die anhängende Versionsnummer 4.0 übernimmt die bei Versions- und Entwicklungsstufen übliche Semantik. Der Begriff Web 4.0 entspricht aber auch im Jahr 2026 keinem vom World Wide Web Consortium (W3C) oder einem vergleichbaren autoritativen Gremium verabschiedeten Standard. Einzelne damit verbundene Technologien können gleichwohl standardisiert sein.
Web 4.0 Definition
Aghaei, Nematbakhsh et al. geben in ihrer Chronologie aus dem Jahr 2012 3 zur Entwicklung des Webs seit dem Web 1.0 folgende Definition an:
Web 4.0 und webOS werden wie eine Middleware sein, innerhalb derer sie sich wie ein Betriebssystem zu verhalten beginnen. Das webOS wird parallel zum menschlichen Gehirn existieren und impliziert ein massives Netz hochgradig intelligenter Interaktion. 4
Diese Beschreibung ist als Zukunftsmodell zu verstehen. Sie definiert weder einen festgelegten technischen Aufbau noch einen Zeitpunkt, ab dem das Web verbindlich als Web 4.0 gilt.
Merkmale des Web 4.0
Soziale Maschinen
Auf Basis des semantischen Netzes des Web 3.0 skizzieren Berners-Lee und Hendler 5 eine KI-gestützte Evolution sozialer Maschinen. Zu dieser Kategorie zählen sie auch soziale Netzwerke. In dem Zukunftsmodell können Aufgaben wie regelbasierte Moderation und die Unterstützung beim Schutz von Privatsphäre und Urheberrecht zunehmend durch KI-Systeme übernommen werden. Ob und wie dies geschieht, hängt jedoch von technischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Vorgaben ab.
Symbiotisches Web
Der Begriff Symbiose korreliert nach Analysen in 6 mit Suchmaschinen und Medienanbietern. Der Zugriff auf Informationen wird für Nutzer des Web 4.0 von intelligenten Agenten unterstützt und moderiert. Künstliche Intelligenz kann dabei aus Interaktionen und bereitgestellten Daten lernen oder ihre Ausgaben an den Benutzer anpassen, sodass eine bidirektionale Zusammenarbeit (Collaboration) zwischen Mensch und Maschine entsteht.
Web of Things
Das Web of Things (WoT) ist eine Untermenge des Internet of Things (IoT): Web-Protokolle setzen auf Internet-Protokollen auf. Das W3C-Konsortium hat Empfehlungen und Arbeitspapiere zur Standardisierung des WoT veröffentlicht (7, 8, 9, 10).
Zur Motivation der Standardisierung gibt das W3C an:
Das Web der Dinge (WoT) versucht, der Fragmentierung des IoT (Anm.: Kurzform für Internet of Things – das Internet der Dinge) durch den Gebrauch und die Ausweitung existierender, standardisierter Web-Technologien entgegenzuwirken. 11
Das WoT ist damit ein konkretes Standardisierungsfeld, während Web 4.0 eine übergeordnete und nicht standardisierte Entwicklungsbezeichnung bleibt. Beide Begriffe sind deshalb nicht gleichzusetzen.
Pervasive Web und Ubiquitous Computing
Die Analyse in 12 weist Korrelationen der Konzepte mit elektronisch erweiterter Realität (Augmented Reality), Geräten und Sensoren sowie personenbezogener maschineller Intelligenz (Ambient Intelligence) nach. Dies kann als technische Ausprägung der Symbiose des Web 4.0 zwischen Mensch und Maschine eingeordnet werden. Kennzeichnend ist, dass vernetzte Informationsverarbeitung nicht mehr nur am klassischen Desktop stattfindet, sondern in Geräte, Räume und alltägliche Abläufe eingebettet ist.
Befinden wir uns im Web 3.0 oder schon im Web 4.0?
Viele wesentliche Merkmale des Web 3.0 sind im Jahr 2026 praktisch etabliert. Die zentrale Frage ist, ob wir uns noch in einer späten Phase des Web 3.0 oder bereits in einem frühen Web 4.0 befinden. Diese Frage kann nicht abschließend geklärt werden, da die Grenzen des Entwicklungsprozesses von Web 3.0 hin zu Web 4.0 fließend sind und für beide Begriffe keine allgemein verbindliche Versionsgrenze besteht.
Aktuelle Entwicklungen in mehreren Bereichen lassen im Jahr 2026 den Rückschluss zu, dass einige häufig genannte Aspekte des Web 4.0 technisch bereits umgesetzt werden und partiell Einzug in die Gesamtentwicklung gefunden haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass das World Wide Web insgesamt eine klar festgelegte neue Versionsstufe erreicht hat.
Typische Beispiele und Indikatoren hierfür sind:
- Stand der Digitalisierung
- Ausbau der für vernetzte und allgegenwärtige Anwendungen erforderlichen Infrastruktur
- Etablierung entsprechender Hard- und Software
- Nutzung von künstlicher Intelligenz – beispielsweise bei Suchmaschinen wie Google
- Verbreitung dezentraler Technologien wie der Blockchain – von Kryptowährungen und NFTs bis hin zu weiteren Anwendungen
Auch umfassende Tendenzen wie die Etablierung von Industrie 4.0 Anwendungen stützen die These, dass einzelne Merkmale eines Web 4.0 bereits vorhanden sind. Blockchain, Kryptowährungen oder NFTs sind dabei keine zwingenden Bestandteile jeder Web-4.0-Definition. Sie werden häufiger dem dezentral ausgerichteten Konzept von Web3 zugeordnet, das nicht mit dem weiter gefassten Begriff Web 4.0 gleichgesetzt werden sollte.
Zusammenfassung
Der Begriff Web 4.0 bezeichnet eine mögliche nächste Evolutionsstufe des Internets und umfasst eine Vielzahl von technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten. Zu den Schlüsselkomponenten gehören Symbiotisches Web, Web der Dinge, webgestützte Verarbeitung sozialer Daten und omnipräsentes Computing. Die Rolle der künstlichen Intelligenz ist insbesondere für die Entwicklung sozialer Maschinen und intelligenter Agenten von Bedeutung.
Obwohl der Begriff Web 4.0 verbreitet ist, gibt es bislang keine offizielle Gesamtdefinition durch ein autoritatives Gremium wie das World Wide Web Consortium (W3C). In einigen Zukunftsmodellen soll sich das Web 4.0 ähnlich einer umfassenden Betriebssystem- und Vermittlungsschicht verhalten und hochgradig intelligente Interaktionen ermöglichen. Dies ist eine konzeptionelle Beschreibung und keine festgelegte technische Spezifikation.
Im Kontext des Web of Things (WoT) arbeitet das W3C an Empfehlungen und Standardisierungen, um die Fragmentierung im Internet der Dinge zu reduzieren. Konzepte wie elektronisch erweiterte Realität und personenbezogene maschinelle Intelligenz werden als Teil der technischen Ausprägung der Symbiose von Web 4.0 gesehen.
Die aktuelle Debatte dreht sich darum, ob wir uns bereits im Web 4.0 befinden oder noch in einer späten Phase des Web 3.0. Der Stand der Digitalisierung, die Nutzung künstlicher Intelligenz und die zunehmende Vernetzung von Geräten weisen darauf hin, dass einzelne Aspekte des Web 4.0 bereits realisiert werden. Eine eindeutige Grenze oder ein allgemein anerkannter Beginn lässt sich daraus nicht ableiten.
Häufige Fragen und Antworten
Web 4.0 ist ein Sammelbegriff für eine mögliche nächste Entwicklungsstufe des Internets. Der Terminus ist weder standardisiert noch durch eine Norm definiert. Daher hängt seine genaue Bedeutung vom jeweiligen Modell ab. Soziale Maschinen, Symbiotisches Web, Web of Things sowie Pervasive Web und Ubiquitous Computing gelten als häufig genannte Merkmale des Web 4.0.
Da es sich bei der Entwicklung des Webs um einen fortlaufenden Prozess handelt, bewegen wir uns zumindest in Richtung der Konzepte, die als Web 4.0 beschrieben werden. Einige Kriterien gängiger Web-4.0-Definitionen werden bereits erfüllt. Da der Terminus jedoch weder standardisiert noch genormt ist, kann nicht abschließend festgestellt werden, ob das Web insgesamt bereits als Web 4.0 einzuordnen ist.
Nein. Dezentrale Technologien wie die Blockchain können mit bestimmten Vorstellungen des Web 4.0 verbunden werden, gehören aber nicht zwingend zu dessen Definition. Kryptowährungen basieren auf Blockchain-Technik, sind jedoch weder ein Beleg für den Beginn des Web 4.0 noch eine notwendige Voraussetzung dafür. Häufig werden Blockchain und Kryptowährungen vielmehr dem Konzept Web3 zugeordnet.
NFTs basieren in der Regel auf einer Blockchain und können deshalb mit dezentralen Webkonzepten in Verbindung gebracht werden. Ob sie als Web-4.0-Anwendung gelten, hängt von der verwendeten Definition ab. Allein das Vorhandensein von NFTs belegt weder den Beginn eines Web-4.0-Zeitalters noch die Umsetzung seiner zentralen Merkmale.
