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Gmail

Bei Gmail handelt es sich um einen kostenlosen E-Mail-Service, der vom Suchmaschinenbetreiber Google angeboten wird. Gmail gilt seit Mitte des Jahres 2012 als weltweit am meisten genutzter E-Mail-Dienst. Nachdem dieser Dienst angekündigt worden war, folgte ab April 2004 zunächst eine geschlossene Beta-Phase.

Ab August 2005 waren Anmeldungen über Freischaltcodes oder auf Einladung von bereits registrierten Nutzern möglich. Im Februar 2007 wurde Gmail allgemein verfügbar, zunächst allerdings noch im Rahmen einer bis Juli 2009 dauernden öffentlichen Testphase.

Wettbewerb um das größte Angebot an Speicherplatz

Bei der Ankündigung von Gmail sorgte vor allem die in Aussicht gestellte anfängliche Postfachgröße für Furore im Freemail-Markt. Diese ging mit einem Speicherplatz von einem Gigabyte deutlich über die Angebote der bis dahin den Markt dominierenden Wettbewerber hinaus, die ihren Kunden nur Speicherplatz in der Größenordnung von zwei bis 20 Megabyte boten.

Nachdem die öffentliche Betaphase von Gmail begonnen hatte, erhöhten andere Anbieter die Kapazität der Postfächer jedoch ebenfalls deutlich. Gmail verdoppelte daher nach einem Jahr die Speicherkapazität pro Postfach auf zwei Gigabyte; weitere sukzessive Erhöhungen des Speicherplatzes folgten. Mit dem Start des cloudbasierten Angebots Google Drive im April 2012 wurde der Speicherplatz der einzelnen Gmail-Accounts schließlich bis auf zehn Gigabyte erweitert.

Probleme mit Marken- und Domainnamen in mehreren Ländern

Der Markteintritt von Gmail war in verschiedenen Ländern von Auseinandersetzungen um bestimmte Marken- beziehungsweise Domainnamen begleitet. So ging der Dienst in Deutschland zunächst unter dem Namen Gmail an den Start, musste sich jedoch infolge eines Rechtsstreits im Jahr 2005 umbenennen. Hintergrund war die Tatsache, dass ein in Hamburg ansässiges Briefpostunternehmen die deutschen Markenrechte an diesem Namen hielt. Die betreffende Gesellschaft hatte bereits vor Google den Namen G-mail angemeldet und nutzte diesen auch bereits gewerblich.

Google reagierte auf den Rechtsstreit im Juli 2005 damit, dass neue deutsche Benutzer von diesem Zeitpunkt an nicht mehr die bis dahin vergebenen E-Mail-Adressen mit der Domain @gmail.com erhielten. Stattdessen lautete die Domain der neuen Accounts nunmehr @googlemail.com. Erst einige Jahre später – im April 2012 – gelang es Google im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung, auch in Deutschland die Marke Gmail sowie die Domain gmail.de zu übernehmen.

Vom 20. Juni 2012 an wurden daher allen neuen Benutzern E-Mail-Adressen mit der Endung @gmail.com zur Verfügung gestellt. Diejenigen Nutzer, zuvor eine auf @googlemail.com endende Adresse erhalten hatten, haben seit dem 26. Juni 2012 die Möglichkeit, stattdessen eine @gmail.com-Adresse zu bekommen.

Auch in Großbritannien hatte bereits ein anderes Unternehmen den Namen Gmail angemeldet, so dass hier vom Oktober 2005 an zunächst ebenfalls @googlemail.com-Adressen vergeben wurden, bis der Dienst ab Mai 2010 im Vereinigten Königreich wieder mit der Bezeichnung Gmail angeboten werden durfte. Auch in Polen gab es ähnliche Probleme, weil sich die Domain gmail.pl im Besitz einer polnischen Gruppe von Dichtern und Künstlern befand, die den daraus resultierenden Rechtsstreit mit Google im Februar 2007 gewann. In China hatte sich ein einheimisches IT-Unternehmen den Domainnamen gmail.cn vor Google gesichert und bietet E-Mail-Adressen mit der Endung gmail.cn an.

Wesentliche Funktionen von Gmail

Der E-Mail-Dienst von Google beinhaltet einen Spamfilter sowie die Möglichkeit, Verdachtsfälle von Missbrauch, beispielsweise durch Phishing, an den Betreiber zu melden. Außerdem ist der Zugang mit einem Mailprogramm auch über TLS-POP3 sowie über TLS-SMTP möglich, und seit Oktober 2007 können E-Mails aus Gmail-Accounts auch über IMAP abgerufen werden.

Die ursprünglich von Google angebotene Möglichkeit zur Synchronisierung von Gmail mit diversen mobilen Endgeräten per ActiveSync-Protokoll wurde im Dezember dahingehend eingeschränkt, dass neue Geräte dafür nicht mehr zugelassen werden. Alternativ lassen sich mobile Endgeräte jedoch synchronisieren, wenn dafür eines der drei offenen Protokolle IMAP, CardDAV oder CalDAV verwendet wird.

Unterschiede von Gmail zu anderen Freemail-Diensten

Den grundlegenden Unterschied zwischen Gmail und anderen Freemail-Diensten stellt das Funktionsangebot der browserbasierten Oberfläche dar. Dieses orientiert sich an eigenständigen Mailprogrammen und umfasst beispielsweise ein Adressbuch sowie eine Rechtschreibprüfung. Weitere Funktionen lassen sich zeitsparend per Hotkey nutzen. Da die Funktionen zum überwiegenden Teil clientseitig, also unmittelbar auf dem Computer des Nutzers, ausgeführt werden, ist Gmail auch im Hinblick auf Schnelligkeit und Komfort durchaus mit lokal installierten Mailprogrammen vergleichbar.

Bei in Bearbeitung befindlichen E-Mails nimmt Gmail automatisch eine Zwischenspeicherung vor, so dass im Falle einer Zeitüberschreitung oder eines Verbindungsabbruchs nicht der gesamte Text, sondern allenfalls wenige Teile verloren gehen können. Mithilfe einer Sicherheitsabfrage wird gegebenenfalls auch geprüft, ob der Benutzer einen Seitenwechsel tatsächlich beabsichtigt, wenn dabei noch nicht gesicherte Textpassagen verloren gehen würden.

Im Unterschied zum sonst verbreiteten Ordner-System werden die empfangenen E-Mails von Gmail in einem zentralen Mailarchiv abgelegt, das ähnlich wie bei der Google-Suche nach verschiedenen Begriffen und Kriterien durchsucht werden kann. Darüber hinaus werden die eingegangenen Nachrichten auch themenweise in sogenannten „Konversationen“ zusammengefasst. Die Funktion von Ordnern wird dabei in gewisser Weise von verschiedenen Labels übernommen, die der Benutzer frei definieren und entweder manuell oder mittels Mailfilter den einzelnen Nachrichten zuweisen kann. Im Unterschied zur herkömmlichen Ordnerstruktur lässt sich eine bestimmte Nachricht damit auch mehreren Kategorien zuordnen, wodurch eine bessere Übersichtlichkeit erreicht werden soll.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass Gmail im vorderen Teil einer E-Mail-Adresse enthaltene Punkte ignoriert, so dass die Mail ihren Empfänger auch dann erreicht, wenn der Punkt zwischen Vor- und Zunamen irrtümlich gesetzt oder weggelassen wurde.

Software für Gmail-Nutzer und Postfach-Beschränkungen

Mit „Gmail Notifier“ biete Google eine kostenlose Software mit verschiedenen Funktionen für die Betriebssysteme Microsoft Windows sowie Apple Mac OS X an. Damit können Nutzer beispielsweise auch dann über eingehende Nachrichten in ihrem Gmail-Account informiert werden, wenn der Internet-Browser gerade geschlossen ist. Ein entsprechendes Symbol in der Statusleiste des Desktops informiert jeweils über den aktuellen Status des Gmail-Kontos. Dass die deutschsprachige Version des Programms in „Google Mail Notifier“ umbenannt wurde, hat markenrechtliche Gründe.

Mittlerweile existieren darüber hinaus zahlreiche nicht autorisierte Gmail-Erweiterungen mit den unterschiedlichsten Funktionen. Die Maximalgröße eine E-Mail für Gmail liegt inzwischen bei etwa 25 MB. Um Virenangriffen vorzubeugen, werden an Gmail-Konten adressierte E-Mails, die im Anhang eine ausführbare Datei enthalten, wieder an den Empfänger zurückgesandt und nicht zugestellt. Diese Sicherheitsmaßnahme lässt sich allerdings umgehen, indem die Dateiendung für die Zeit der Übertragung verändert wird.

Finanzierung und Kritikpunkte

Für die Endnutzer ist Gmail kostenlos. Die Finanzierung des Dienstes erfolgt durch kontextbezogene, das heißt inhaltlich den Text einzelner E-Mails abgestimmte Werbung. Diese wird ähnlich wie auf der Google-Suchmaschinenoberfläche auf der rechten Seite eingeblendet. Für die Auswahl der eingeblendeten Werbung analysiert Google nicht nur die aktuell geöffnete Nachricht, sondern bezieht dazu auch die zuletzt eingegangenen Mails ein.

Im Unterschied zu zahlreichen anderen Freemail-Anbietern werden jedoch bei Gmail keine Werbetexte am Ende von E-Mails eingefügt und keine Werbebanner auf den Webseiten angezeigt. Die Tatsache, dass Google alle E-Mails automatisch durchsucht und analysiert, um die entsprechende kontextbezogene Werbung einblenden zu können, wird von verschiedenen Datenschutzexperten kritisch beurteilt, zumal Google eine weitergehende Nutzung der dabei gewonnenen Informationen für Marketingzwecke nicht ausschließt.

Kritisiert wird auch, dass Versender von E-Mails an Gmail-Accounts – im Unterschied zu deren Nutzern – nicht den Nutzungsbedingungen zugestimmt haben, die von ihnen versandten Nachrichten jedoch ebenso von Google erfasst und analysiert werden. Darüber hinaus räumen die Nutzungsbedingungen Google nach Einschätzung von Kritikern weitreichende Handlungsspielräume für die Beschneidung der Privatsphäre der Nutzer ein.



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