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Wikipedia Begriffserklärung und Definition

Wikipedia ist eine freie Enzyklopädie im Internet der Non-Profit-Organisation Wikimedia Foundation Inc. aus San Francisco, die am 15. Januar 2001 erschienen ist. Das Prinzip der freien und kollektiv erstellten Enzyklopädie ermöglicht jedem Internetnutzer, egal, ob registriert oder anonym, sich aktiv an der Erstellung und Bearbeitung der Lexikonartikel zu beteiligen. Die Gründer verfolgen mit dieser Form der Wissensdarstellung das Ziel, ein lizenzfreies und qualitativ hochwertiges Nachschlagewerk zu schaffen, das ebenfalls kostenfrei Wissen für jeden zugänglich machen soll. Dabei entstehen die Artikel in einem offenen Bearbeitungsprozess, an dem sich weltweit rund 1.500.000 registrierte und unzählige anonyme Nutzer beteiligen. Seit Anfang Juni 2013 ist Wikipedia in 285 Sprachen, darunter auch in Dialekten, Plansprachen oder ausgestorbenen Sprachen, verfügbar, wobei die einzelnen Sprachversionen keine Übersetzungen voneinander sind, sondern inhaltlich eigenständig. Wikipediainterne Initiativen und die Gründung des Schwesterprojekts Wikimedia Commons sollen einen verbesserten interkulturellen Austausch ermöglichen und die internationale Zusammenarbeit erleichtern.
Wikipedia ist ein Kunstwort, das aus der Verschmelzung von „Wiki“ und einer verkürzten Schreibweise des englischen Wortes „Encyclopedia“ entstand. „Wiki“, hawaiianisch für „schnell“, stellt dabei ein Hypertextsystem dar, das den Webseitenbesuchern das Lesen und Ändern des Webseiteninhalts über den Webbrowser ermöglicht. Wikipedia ist das am häufigsten genutzte Onlinelexikon und belegte 2007 Rang 4 bei den bekanntesten internationalen Marken. Die einzelnen Länderversionen werden meistens von nationalen Wikipedia-Vereinen betreut, die mit der US-amerikanischen Stiftung kooperieren. Statistisch gesehen ist die englischsprachige Version die mit der höchsten Besucherzahl und mit mehr als 4 Mio. Artikeln die umfangreichste. Platz 2 nimmt die deutschsprachige Wikipedia mit mehr als 1,5 Mio. Artikeln ein.

Entstehungsprozess und technischer Hintergrund von Wikipedia

Die Idee eines Online-Nachschlagewerks war mit dem Erscheinen von Wikipedia nicht neu. Schon 1993 wurde die Idee in einer Newsgroup diskutiert. Verschiedene Projekte in den 1990er Jahren scheiterten frühzeitig. Im ersten Quartal 2000 starteten Jimmy Wales und Larry Sanger in Zusammenarbeit mit der Firma Bomis ein Internetprojekt namens Nupedia, das eine redaktionell betreute Enzyklopädie war. Um die Jahreswende 2000/2001 entdeckten die Gründer das Wiki-System für sich und richteten am 15. Januar 2001 unter der Domain wikipedia.com eine Wiki-Version der Nupedia ein. Damit wurde die Wikipedia geboren, die innerhalb kurzer Zeit Nupedia in den Schatten stellte. Im Herbst 2003 wurde dann Nupedia eingestellt. Schon drei Monate nach der englischen Version folgten die ersten fremdsprachigen Wikipedia-Versionen, wie die deutschsprachige. 2002 spalteten sich einige spanische Autoren ab. Daraufhin beschloss Jimmy Wales die uneingeschränkte Werbefreiheit von Wikipedia und demonstrierte dies auch mit dem Wechsel auf die Top-Level-Domain „.org“, die gewöhnlich von nichtkommerziellen Organisationen genutzt wird. Als weiteren Schritt gründete Wales eine gemeinnützige Stiftung nach dem Recht Floridas, der die Namensrechte und Server übertragen wurden. Seither wächst Wikipedia kontinuierlich. Als gemeinnützige Stiftung finanziert sich Wikipedia über Spendengelder, die hauptsächlich aus kleinen Beträgen von Privatpersonen bestehen, aber auch Unternehmen unterstützen das Projekt mit Geld- und Sachspenden. So stellen einige Unternehmen Server zur Verfügung. Das Wikipedia-Modell ist zudem für viele andere Webprojekte Vorbild.
Wikipedia betreibt Serverstandorte in Tampa/Florida und Amsterdam mit rund 400 meist Apache-Web-Servern, die mit dem Betriebssystem Ubuntu und den Serverprogrammen Apache, MySQL, PHP und der Wiki-Plattform MediaWiki arbeiten. Einige wenige Server arbeiten auch mit anderer Software. Ein dritter Serverstandort ist in Ashburn/Virginia, der im Fall eines Serverausfalls die Datenbank weiterhin zur Verfügung stellt. Der deutsche Wikipedia-Verein stellt 14 Server mit Tools und Bots für Autoren bereit. Auf die Wikipedia-Server greifen weltweit je nach Tageszeit bis zu 60.000 Nutzer pro Sekunde zu.
Die Wikipedia-Webseite besteht aus vielen einzelnen Webseiten-Gruppen, die Namensräume genannt werden, wie aus dem Artikelnamensraum (die Lexikonartikel), Hilfenamensraum, Benutzernamensraum usw. Formatierungsanweisungen und Querverweise werden von der Software automatisch entsprechend der eingegebenen Syntax generiert. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise die Verlinkung der einzelnen Artikel einfach realisieren. Die Artikel sind so dichter miteinander verknüpft als in anderen Lexika. Weitere Navigationsmöglichkeiten sind der alphabetische Index und die Kategorien.

Die Wikipedia-Grundsätze

Bei der Artikelverfassung sind die Wikipedia-Grundsätze einzuhalten:

  • Es handelt sich um eine Enzyklopädie
  • Alle Beiträge müssen einen objektiven Standpunkt einnehmen
  • Es darf kein geltendes Recht verletzt werde
  • Die Wikiquette ist im Umgang miteinander zu respektieren

Der objektive oder neutrale Standpunkt stellt dabei einen viel diskutierten und oft kritisierten Punkt dar, weil dieser eher ein schwer zu erreichendes Ideal ist. Denn es sollen alle eventuell unterschiedlichen Sichtweisen einer Thematik neutral dargestellt werden, um die Meinungsbildung zu fördern. Neutralität soll auch in weltanschaulichen, politischen und religiösen Themen gewahrt werden. Soziale Prozesse, wie Diskussionen aller Interessierten, sollen die Einhaltung der Grundsätze gewähren und allgemeingültige Regeln formen. Auch die Themenauswahl und die Form der Präsentation werden in einem offenen gemeinschaftlichen Prozess entschieden. Konflikte bestehen meist in Bezug auf die lexikalische Relevanz. Ungeeignete, unangemessene oder umstrittene Artikel können zeitweise gesperrt oder via Löschantrag aus der Datenbank entfernt werden. In der deutschsprachigen Wikipedia wurde 2008 ein Sichtungssystem eingeführt, das unangemeldeten Benutzern standardmäßig nur die letzte gesichtete Artikelversion anzeigt. Ungesichtete Versionen sind nur für angemeldete Benutzer oder über einen speziellen Reiter abrufbar. Mit jeder gespeicherten Bearbeitung willigt der Autor der Veröffentlichung unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation ein. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Lizenz für freie EDV-Dokumentationen, die bald nicht mehr allein ausreichte und so seit dem 15. Juni 2009 durch die Creative-Commons-Attribution-ShareAlike-Lizenz ergänzt wurde. Beide Lizenzen ermöglichen den Nutzer, den Artikel zu ändern oder unter den gleichen Lizenzbedingungen auch kommerziell zu nutzen und zu veröffentlichen.
Benutzer haben die Möglichkeit, durch Beiträge, Fachkenntnisse oder andere Mitarbeit einen gewissen sozialen Status zu erreichen. Wobei auffällt, dass nur ein geringer Prozentsatz der angemeldeten Nutzer aktiv schreibt. Zusatzrechte erhalten nur angemeldete und aktive Benutzer, die mehrfach Bearbeitungen vorgenommen haben. Besonders engagierte können zum Administrator mit erweiterten Rechten und Zusatzaufgaben, wie Benutzer temporär ausschließen oder sperren und umstrittene Artikel bearbeiten, gewählt werden. Der Gründer Jimmy Wales hat dabei den größten persönlichen Einfluss. 2007 wurde in der deutschsprachigen Wikipedia das Mentorenprogramm geschaffen, das neuen Autoren Unterstützung bietet. Das gleiche Ziel verfolgt auch das 2010 gestartete Projekt zur leichteren Bedienbarkeit, da zeitweise eine rückläufige Beteiligungsquote bemerkt wurde, die unter anderem durch einen verletzenden Tonfall innerhalb der Gemeinschaft ausgelöst wurde.
Der Idee, freies Wissen für jeden jederzeit zu gewährleisten, steht nur der global ungleich verteilten Verfügbarkeit von Computern und Internet im Wege. So gab es verschiedene Offlinereader, CD-, DVD- und Druckversionen von Wikipedia. Seit 2009 besteht die Möglichkeit, sich mehrere selbst ausgesuchte Artikel als Book-on-Demand drucken zu lassen. Die zunehmende Verbreitung mobiler internetfähiger Geräte erforderte die Schaffung von Apps und einer für diese Geräte angepassten Darstellung. Mehrfach wurden einzelne Artikel, Teile oder die gesamte Online-Enzyklopädie in einzelnen Ländern durch Zensur gesperrt.

Schwesterprojekte von Wikipedia

Die Wikimedia Foundation Inc. unterhält neben der Online-Enzyklopädie Wikipedia noch weitere Projekte nach dem freien Wiki-Prinzip:

  • Wikivoyage, ein weltweiter Reiseführer
  • Wiktionary, ein mehrsprachiges Wörterbuch
  • Wikiquote, eine Zitatensammlung
  • Wikisource, eine Sammlung freier Texte
  • Wikispecies, ein Artenverzeichnis
  • Wikimedia Commons, die Bilder-, Musik- und Multimedia-Datenbank aller Wikimedia-Projekte
  • Wikibooks, freie Lehrbücher
  • Wikinews, eine freie Nachrichtenquelle
  • Wikidata, eine von Mensch und Maschine les- und bearbeitbare Wissensdatenbank
  • Wikiversity, eine Studien- und Forschungsplattform
  • Wikimedia Incubator, Test von Wikimedia-Projekten in neuen Sprachversionen
  • MetaWiki, Organisation und Verwaltung aller Wikimedia-Projekte
  • MediaWiki, Verwaltungssoftware für Wiki-Systeme

Kritikpunkte an Wikipedia

Wikipedia stand und steht in der Kritik. Kritik wird vor allem an der Vollständigkeit, der nicht garantierten Richtigkeit der Informationen, der Gewichtung der Beiträge, den Qualitätsunterschieden verschiedener Themen und Artikel, der Vertrauenswürdigkeit, da sowohl ein Lektorat als auch ein verantwortlicher Herausgeber fehlen, der einfachen Bearbeitung durch jeden Nutzer und nicht nur durch Experten und an den möglichen Datenschutz- und Urheberrechtsverletzungen geübt. Bei fraglichen Inhalten werden die Autoren aufgefordert, den Inhalt mit überprüften und verifizierten Quellenangaben zu versehen, um deren Richtigkeit zu sichern. Häufige Probleme stellen auch der Vandalismus, der insbesondere auf selten aufgerufenen Artikeln längere Zeit bestehen und durch die freie Nutzung auch so verbreitet werden kann und der gezielte Eingriff durch Interessengruppen dar. Trotzdem hat sich die Sicht akademischer Kreise auf Wikipedia oft ins Positive geändert. Und auch im Vergleich mit anderen Lexika schneidet Wikipedia gut ab.



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