
Joomla! ist ein Vertreter der sogenannten Content-Management-Systeme (CMS) und gehört zu den weltweit eingesetzten Allround-CMS. Eine solche Webapplikation erlaubt die Verwaltung von Inhalten einer Webseite, beispielsweise Texte, Bilder oder Videosequenzen, über eine Konfigurationsseite im Hintergrund des Systems, dem sogenannten Backend. Gleichzeitig kann ein solch dynamisches Projekt von einer Vielzahl von Menschen mit unterschiedlichen Aufgaben und Rollen betreut werden.
Das System selbst basiert auf quelloffener Software und steht unter der Open-Source-Lizenz GNU/GPL (GNU General Public License) zur Verfügung. Durch diese Lizenz ist die Nutzung, aber auch die Veränderung der Software möglich, was den Entwicklern besonders wichtig war und ist. Die im ursprünglichen Artikelstand genannte Version 3.5.1 ist inzwischen veraltet. Für neue Projekte und bestehende Installationen sollte eine vom Joomla!-Projekt unterstützte Version eingesetzt und regelmäßig aktualisiert werden. Vor einem Versionswechsel sind die Kompatibilität des Templates und der installierten Erweiterungen sowie eine aktuelle Sicherung zu prüfen.
Von Mambo zu Joomla!
Die erste Joomla!-Version erschien im September 2005 und ist damit noch ein vergleichsweise junges eigenständiges System. Hervorgegangen ist Joomla! aus dem CMS Mambo. Eine Gruppe von Entwicklern der Version Mambo spaltete sich ab, weil sie den Gedanken einer Open-Source-Software gefährdet sah. Der Mambo-Quellcode diente als erste Grundlage der eigenen Joomla!-Versionen, die unter Open-Source-Lizenz ständig weiterentwickelt wurden.
Das Wort Joomla ist dem Suaheli-Wort jumla angelehnt. Es bedeutet so viel wie als Ganzes oder das Ganze. Mit dieser Wortwahl haben die Entwickler recht gut das beschrieben, was hinter dieser Webapplikation steckt: Joomla! ist sehr flexibel einsetzbar. Zugleich sorgt eine aktive Gemeinde dafür, dass Zusatzelemente die Anwendungsmöglichkeiten erweitern. Als Lösung für das Ganze werden Administratoren und Nutzer gleichermaßen angesprochen.
Joomla!: Die Technik
Vergleichbar mit vielen anderen Content-Management-Systemen basiert auch Joomla! auf zwei Bereichen: Das Frontend ist der Bereich, der dem Besucher zur Verfügung steht, wenn er die Internetseite aufruft. Das Backend ist die Administratorenoberfläche, über die der Seitenaufbau gesteuert wird. Trotz der Trennung der beiden Bereiche ist es möglich, auch über das reine Betrachten der Seite hinaus aktiv zu werden. Autoren können beispielsweise Inhalte im Frontend erstellen und bearbeiten, ohne Zugriff auf das Backend zu haben. Eine detaillierte und umfangreiche Nutzerverwaltung, die Zugriffs- und Schreibrechte im Front- und Backend steuert, ist daher erforderlich und in Joomla! vorhanden.
Eine Internetseite wird neben den Inhalten vor allem durch das äußere Erscheinungsbild geprägt. Das Layout des Frontends wird durch das sogenannte Template der Webseite bestimmt. Die gewünschte Struktur der Internetseite ergibt sich hierbei aus den Grundeinstellungen auf Administratorebene und den entsprechenden Positionen einzelner Elemente im Template. Templates bestehen vereinfacht gesagt aus HTML– beziehungsweise PHP-Dokumenten, zugehörigen Grafikdateien und den CSS-Dokumenten, die die Formatierungen des Templates enthalten.
Nutzer mit PHP-, HTML- und CSS-Kenntnissen können solche Templates selbst erstellen. Tutorials zu diesem Thema geben Informationen dazu, wie ein Template aufzubauen ist. Daneben besteht die Möglichkeit, kostenfreie Templates der Joomla!-Gemeinde zu erhalten oder kostenpflichtige Templates zu erwerben.
Die eigentlichen Seiteninhalte und Elemente, die für die Darstellung der Webseite vorgesehen sind, werden durch Joomla! aus der zugrunde liegenden MySQL-Datenbank geholt und an den vorgesehenen Stellen im Template eingebaut.
Die Seitenstruktur und wichtige Elemente
Joomla! unterscheidet drei Elemente:
- Komponenten
- Module
- Plugins.
Die Komponenten stellen die übergeordneten Elemente dar und beherbergen die Inhalte der Webseite, beispielsweise Texte, Galerien, Shops oder Blogs. Eine Webseite ohne Komponente ist im üblichen Joomla!-Aufbau nicht möglich. Module enthalten zusätzliche Inhalte und werden im Regelfall auf den im Template vorgesehenen Modulpositionen veröffentlicht. Beispiele für Module sind die Menüleisten oder der Login-Bereich. Die unterste Ebene der Elemente wird durch Plugins besetzt. Plugins haben vielerlei Funktionen und arbeiten teilweise mit Komponenten zusammen. Der Editor wird beispielsweise über Plugins ergänzt, ebenso wie bestimmte Funktionen zum Einbinden und Verarbeiten von Bildern. Erweiterungen für diese Elemente, zum Beispiel umfangreichere Editoren oder erweiterte Sprachpakete, lassen sich zusätzlich installieren. Dabei sollten Herkunft, Pflegezustand und Kompatibilität einer Erweiterung geprüft werden, weil nicht mehr aktualisierte Erweiterungen ein Sicherheits- oder Stabilitätsrisiko darstellen können.
Die Inhalte werden in einem Joomla!-typischen und zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen Ordnungssystem organisiert. Dieses Ordnungssystem sieht vor, dass Beiträge – also der Inhalt – in beliebig verschachtelbaren Kategorien und Unterkategorien veröffentlicht werden können. Für nicht anderweitig zugeordnete Beiträge steht üblicherweise eine allgemeine Kategorie zur Verfügung. Dieses Ordnungssystem ermöglicht es bei konsequenter Nutzung, Inhalte einzuteilen und für einen entsprechenden Zugriff zu sorgen.
Jeder Inhalt, der erstellt wird, egal, ob im Frontend oder Backend, ist nicht automatisch für die Besucher der Webseite verfügbar. Zunächst muss, nachdem der Beitrag erstellt wurde, eine passende Kategorie ausgewählt werden. Erst dann ist es möglich, diesen Beitrag – auch mit der Option einer hervorgehobenen Veröffentlichung – freizugeben beziehungsweise zu publizieren. Die entsprechenden Rechte für diesen Schritt müssen vorhanden sein.
Die Menüstruktur bei Joomla!
Die Navigation ist in Joomla! sehr flexibel gehalten. Prinzipiell können so viele Menüs angelegt werden, wie es der Betreiber der Seite für nötig erachtet. Alle Menüeinträge können mehrfach verschachtelt sein. Grundsätzlich verweisen Menüeinträge auf die Komponenten der Webseite oder führen den Nutzer auf externe Internetseiten.
Es spielt keine Rolle, ob die Menüeinträge auf statische Inhalte verweisen sollen, beispielsweise ein Impressum, oder ob der Link zu dynamischen Kategorien führt.
In jedem Fall besteht die Möglichkeit, über die Navigation Seiten anzusteuern, die eigene Template-Stile aufweisen oder andere Module als die vorherigen Seiten beinhalten. Werden dynamische Kategorien in der Navigation verlinkt, bietet Joomla! auch hier eine ganze Reihe von Auswahlmöglichkeiten, um bestimmte Inhalte der Kategorien herauszufiltern. Die Anzeigeform der einzelnen Beiträge der Kategorie hängt wiederum mit dem hinterlegten Template-Stil zusammen.
Die Benutzerverwaltung in Joomla!
Die Benutzerverwaltung wurde gegenüber frühen Joomla!-Versionen erheblich erweitert. Konnten in älteren Versionen nur Benutzergruppen und bestimmte Zugriffsrechte angelegt werden, die im Nachhinein kaum veränderbar waren, stehen in neueren Versionen Zugriffssteuerungslisten zur Verfügung, sollten sie – je nach Umfang der Webseite und Anzahl der Benutzer – benötigt werden.
Die einfachste Ebene in Joomla! ist die Unterscheidung zwischen öffentlichen Besuchern und registrierten Benutzern mit unterschiedlichen Funktionen. Suchmaschinen-Crawler können öffentlich erreichbare Inhalte grundsätzlich ebenfalls abrufen, sind jedoch keine Benutzer im Sinne der Rechteverwaltung. Registrierte Benutzer werden vorher festgelegten Benutzergruppen zugeteilt, deren Rechte sich ändern lassen. Die Standard-Benutzergruppen reichen hierbei von Autoren über Editoren bis hin zu Managern oder Administratoren mit unterschiedlichen Berechtigungen.
Neben den Benutzergruppen können auch Zugriffsebenen definiert werden. Solche Zugriffsebenen können sich beispielsweise auf den öffentlichen Bereich, den Bereich für registrierte Benutzer oder Spezialbereiche beziehen. Der Vorteil der Unterscheidung zwischen Benutzergruppen und Zugriffsebenen liegt in dem Umstand, dass so sehr unterschiedliche Rechte-Situationen dargestellt werden können. In der Praxis sollten Benutzer nur die Berechtigungen erhalten, die sie für ihre jeweilige Aufgabe tatsächlich benötigen.
Die Suchmaschinenoptimierung
Eine Webseite soll von einer möglichst breit gestreuten oder gezielt angesprochenen Öffentlichkeit gefunden werden. Damit sie in den organischen Ergebnislisten einer Suchmaschine wie Google auftauchen kann, müssen ihre relevanten Seiten grundsätzlich crawlbar und indexierbar sein sowie Suchanfragen inhaltlich sinnvoll beantworten. Joomla! bietet für die redaktionelle und technische Suchmaschinenoptimierung Funktionen zur Seitenstruktur und Inhaltsverwaltung.
Eine wichtige Einstellungsmöglichkeit ist die Verwendung sogenannter suchmaschinenfreundlicher URLs. Hierbei wird die Adresse der Webseite nicht nur mit technischen Parametern angezeigt, sondern in einer verständlichen und lesbaren Form, beispielsweise: https://www.meine-seite.de/ich-kann-das-lesen. Dies bietet den Vorteil, dass der Benutzer den Inhalt der Zielseite besser einschätzen kann. Eine lesbare URL verhindert jedoch nicht automatisch doppelte Inhalte. Dafür müssen unter anderem einheitliche interne Verlinkungen, Weiterleitungen und gegebenenfalls Canonical-Angaben korrekt eingerichtet sein.
Für jeden Beitrag können zudem Seitentitel, Meta-Beschreibungen und weitere Metadaten angegeben werden. Meta-Keywords können je nach Installation zwar als Feld vorhanden sein, haben für die organische Google-Suche jedoch keine maßgebliche Optimierungsfunktion. Bilder sollten beim Einfügen einen aussagekräftigen alternativen Text erhalten, wenn dieser das Bild für Nutzer beschreibt. Joomla! kann außerdem RSS-Feeds für Inhalte erzeugen. Ein Feed erleichtert das Abonnieren und Weiterverarbeiten neuer Beiträge, sorgt aber nicht automatisch für Backlinks oder bessere Rankings.
Für die konkrete Google-Optimierung sollten Betreiber zusätzlich prüfen, welche URLs indexiert werden, ob wichtige Inhalte intern erreichbar sind, ob Seitentitel und Beschreibungen eindeutig ausfallen und ob Template oder Erweiterungen unnötige URL-Varianten erzeugen. Das CMS stellt dafür technische Grundlagen bereit; die Qualität der Umsetzung hängt von Konfiguration, Template, Erweiterungen und Inhalten ab.
Joomla! ist kein Webbaukasten
Als weltweit eingesetztes Content-Management-System ist Joomla! eine geeignete Webapplikation, um kleinere bis große Webprojekte umzusetzen. Auch Anfänger in der Erstellung von Webseiten können aufgrund der Benutzeroberfläche und frei erhältlicher Templates nach einer Einarbeitung eigene Webseiten erstellen. Joomla! ist aber kein Homepagebaukasten, bei dem mit wenigen Klicks zwangsläufig eine fertige Seite entsteht. Sind zudem fundierte Kenntnisse in HTML und CSS vorhanden, ermöglicht dieses Open-Source-System auch die weitgehende Anpassung an die eigenen Wünsche und Vorstellungen. Multi-Domain-Anwendungen gehören nicht zu den einfachsten Standardszenarien; ob sie sinnvoll umsetzbar sind, hängt von Architektur, Version und eingesetzten Erweiterungen ab.
Zusammenfassung
Joomla! ist ein weltweit eingesetztes Content-Management-System (CMS), betreut von der Non-Profit-Organisation Open Source Matters. Ursprünglich entstanden aus dem CMS Mambo, ist es für seine Flexibilität und eine aktive Entwicklergemeinde bekannt. Die Software ist Open-Source und nutzt die GNU General Public License, was Anpassungen und Erweiterungen ermöglicht.
Das System bietet eine zweigeteilte Struktur: Frontend für die Besucher und Backend für die Administratoren. Es unterstützt eine umfangreiche Nutzerverwaltung, inklusive detaillierter Rechteverwaltung. Die Webseitengestaltung erfolgt durch Templates, die unter anderem aus HTML, PHP und CSS bestehen und individuell angepasst werden können.
Joomla! verfügt über verschiedene Elemente wie Komponenten, Module und Plugins, die die Inhalte und Funktionen der Webseite strukturieren. Eine Kategorienstruktur ermöglicht die effiziente Organisation von Inhalten. Darüber hinaus bietet die Menüstruktur hohe Flexibilität in der Navigation.
Die Benutzerverwaltung wurde gegenüber frühen Versionen erweitert und ermöglicht eine Vielzahl von Benutzergruppen und Zugriffsebenen. Somit können vielfältige Rechteszenarien abgebildet werden.
Für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) bietet Joomla! verschiedene Grundlagen, darunter suchmaschinenfreundliche URLs sowie Felder für Seitentitel und Meta-Beschreibungen. Eine gute organische Sichtbarkeit entsteht jedoch nicht allein durch diese Einstellungen. Auch Inhalte, interne Verlinkung, Indexierbarkeit, Ladeverhalten und der technisch saubere Umgang mit URL-Varianten sind zu berücksichtigen. Joomla! ist kein einfacher Webbaukasten, und für eine vollständige Anpassung sind Kenntnisse in HTML und CSS vorteilhaft.
Häufige Fragen und Antworten
Joomla! ist ein Content-Management-System (CMS), das zur Erstellung und Verwaltung von Webseiten verwendet wird. Über seine Benutzeroberfläche lassen sich Inhalte wie Texte, Bilder und Videos verwalten sowie Menüs, Benutzerrechte und Funktionen konfigurieren. Joomla! kann für unterschiedliche Projekte eingesetzt werden, von kleineren Informationsseiten bis zu umfangreichen Unternehmenswebsites. Der tatsächliche Aufwand hängt von den gewünschten Funktionen, dem Template und den eingesetzten Erweiterungen ab.
Welche Vorteile Joomla! gegenüber einem anderen Content-Management-System bietet, hängt vom jeweiligen Projekt und den verfügbaren Fachkenntnissen ab. Zu den typischen Stärken gehören: Flexibilität: Joomla! kann für verschiedene Arten von Websites angepasst werden. Umfangreiche Funktionalität: Joomla! bietet zahlreiche Funktionen und Erweiterungsmöglichkeiten für unterschiedliche Anforderungen. Strukturierte Oberfläche: Inhalte, Menüs, Benutzer und Erweiterungen können in getrennten Verwaltungsbereichen bearbeitet werden. Für Anfänger ist dennoch eine Einarbeitung erforderlich. Aktive Entwicklergemeinde: Joomla! wird von einer engagierten Entwicklergemeinschaft unterstützt, die Aktualisierungen und Erweiterungen bereitstellt. Suchmaschinenoptimierung (SEO): Joomla! bietet technische Grundlagen wie lesbare URLs, Seitentitel und Meta-Beschreibungen. Eine gute Sichtbarkeit setzt darüber hinaus passende Inhalte und eine saubere Konfiguration voraus.
Joomla! unterscheidet sich in mehreren Punkten von einem typischen Homepage-Baukasten: Flexibilität: Während ein Homepage-Baukasten meist stärker auf vorgefertigte Designs und Funktionen ausgerichtet ist, bietet Joomla! mehr Möglichkeiten, die Webseite individuell anzupassen und zu erweitern. Funktionalität: Mit Joomla! können umfangreiche Funktionen und Erweiterungen integriert werden, während ein Homepage-Baukasten häufig einen enger definierten Funktionsumfang bietet. Skalierbarkeit und Aufwand: Joomla! kann für umfangreiche Websites geeignet sein, verlangt dafür aber mehr Einrichtung, Wartung und technisches Verständnis. Ein Homepage-Baukasten ist häufig schneller eingerichtet, bietet jedoch weniger Kontrolle über technische Details.
